Es war schon Mittag als Merle die Augen aufschlug. Beim Aufrichten stöhnte sie auf, Muskelkater! Auch ihr Hals war trocken und sie schluckte schwer. Nie im Leben hätte sie gedacht, dass Kitzeln ihren Körper so an die Grenzen bringen könnte. Nach einigen Minuten, die sie jetzt schon auf der kleinen Ledercouch saß, stand sie auf und streckte sich. Ihre Muskeln meldeten sich schmerzend. Sie schob den Tisch von der Tür weg und öffnete diese. Ein Blick genügte um ihr zu zeigen, dass niemand da war außer ihr selbst. Sie lenkte ihre Schritte in Richtung des Büros, wo sie über das Dach des Nachbargebäudes hoffentlich einen Weg nach unten fand. Die junge Frau ging zum Fenster und nahm es in Augenschein, es hatte eine Funktion zum kompletten Öffnen denn, das sah sie jetzt, es war ein Notausgang aus diesem Gebäude. Sie versuchte die Tür zu öffnen, nach Biegen und Brechen tat es einen Schlag und sie stand schwer atmend und schwitzend im Freien. Genüsslich hielt sie ihr Gesicht in die Sonne und genoss ihre Wärme. Eine warme Brise strich über sie hinweg, und gedankenversunken lief sie weiter über das Dach.
Ihr gingen die Ereignisse vom Vortag nicht aus dem Kopf: wie war es möglich, dass dieses Geschöpf sie anstatt zu töten und zu fressen, mit Kitzeln an ihre körperlichen Grenzen gebracht hatte? Die Tatsache, dass sie noch lebte und der Doc ihr sogar bei dem Angriff des Brocken das Leben gerettet hatte, wollte immer noch nicht ganz in ihren Kopf einen Sinn ergeben. Während ihrer Gedankengänge hatte sie mittlerweile die Hälfte des Daches überquert, Merle blieb kurz stehen und schaute sich um. Einen Aufstieg für eine Feuerleiter konnte sie nicht entdecken. Seufzend ging sie weiter und erreichte das nächste Dach - es war nur durch einen kleinen Absatz zu erkennen, dass ein neues Gebäude anfing. Auf dem neuen Gebäude hatte sie etwas mehr Glück. Ungefähr in der Mitte war ein kleiner Verschlag mit einer Tür zum Treppenhaus. Die Tür, das sah Merle von weitem, war nur angelehnt, und bewegte sich in der morgendlichen Brise. Vorsichtig und auf leisen Sohlen näherte sie sich der Tür. Als sie nur noch etwas mehr als fünf Meter entfernt war, sah sie ein Unterarm-langes Stück Rohr auf dem Dach liegen. Als improvisierte Waffe war das ideal! Sie nahm das Rohr in die Hand und hielt es wie ein Schwert vor sich - so bewaffnet fühlte sie sich schon etwas sicherer. Bei der Tür angekommen öffnete Merle sie langsam, die Tür knarrte kaum merklich.
Tageslicht fiel in das Treppenhaus auf den ersten Absatz und wurde nach unten immer schwächer. Sie schluckte, vielleicht war auf dem Dach doch noch eine Feuerleiter. Mit diesen Gedanken drehte sie um und fixierte die Ränder des Daches. Sie umrundete den Verschlag, aber weder dort noch an einer der anderen Dachkanten war das obere Ende einer Feuerleiter zu sehen. Die einzige Möglichkeit war tatsächlich das dunkle Treppenhaus. Die junge Frau atmete geräuschvoll aus, sie musste zwangsläufig in den sauren und äußerst dunklen Apfel beißen.
Mit vorsichtigen Schritten setzte sie einen Fuß nach dem andern in das Treppenhaus und zog die Tür hinter sich zu um ihre Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen. Während sie wartete, dass ihr Augen dies taten, lauschte sie in die Dunkelheit – nichts!! Es war totenstill. Sobald ihre Augen sich an das Dunkle gewöhnt hatten sah sie, dass weiter unten ein wenig Licht ins Treppenhaus fiel. Ein wenig Erleichterung überkam sie und endlich wagte sie den Weg nach unten. Langsam und vorsichtig, um ja nicht die Treppe nach unten zu fallen, ging es abwärts. Nach wenigen Minuten, die ihr wie Stunden vorkamen in dem Zwielicht, erreichte sie eine Tür die leicht offen stand. Ihr Blick ging in den Raum und ein Grinsen machte sich breit.
Sie öffnete die Tür nun ganz und stand in einem provisorischen Unterschlupf. Dem Staub nach zu urteilen war hier sehr lange niemand mehr gewesen. Um auf Nummer sicher zu gehen schloss sie die Tür wieder hinter sich und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen. Ein großes Fenster war ihr gegenüber und zeigte die Gasse in der sie gestern auf der Flucht gewesen war. Was das für ein Raum war, konnte sie nicht mehr sagen, es gab keine Anhaltspunkte dazu. Zu ihrer Rechten war hinter einem Vorhang ein Bett zu sehen, am Fußende des Bettes stand eine Kommode. Zu ihrer Linken waren eine provisorische Küche und diverse Schränke und Kisten, außerdem ein Tisch mit einem Stuhl. Ein großer massiver Metallschrank mit Arbeitsfläche und einer Klappe auf Augenhöhe zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Merle ging hin und öffnete die Klappe und schaute in einen weiteren Raum. Ihr stockte der Atem, nicht weniger als zehn Walker standen in dem Raum nebenan! Leise schloss sie die Klappe wieder. Hinter dem Schrank, das wusste sie nun, war eine Tür die durch den Schrank verbarrikadiert war. Nun sah sie auch die Schrauben die den Schrank an den Türrahmen fixierten. Sich darüber bewusst, dass nebenan der Tod lauerte, durchsuchte sie den Raum. In einem der Schränke fand sie Lebensmittel in Konserven, diese stellte sie auf den Tisch. Sie suchte weiter, die Küchenschränke beherbergten eine erstaunliche Anzahl an Töpfen, Pfannen und Geschirr, aber nichts was sie spontan mitnehmen konnte. Eine der größeren Kisten war eine wahre Goldgrube, sie fand eine Kopflampe mit passenden Batterien, eine Machete mit Scheide und einen Rucksack. In dem Rucksack waren sogar ein paar Leuchtfackeln und ein Taschenmesser, außerdem fand sie noch etwas Seil. Sie trug alles was sie fand und als nützlich erachtete zum Tisch. Während sie die Dinge sichtete, öffnete sie sich eine Konserve, es waren Maccaroni in Käsesauce. Genüsslich schaufelte sie sich das Essen in den Mund. Zufrieden, mal wieder was Vernünftiges zu essen zu haben, setzte sie sich auf den Stuhl. Nach einer kurzen Pause in der sie ihre Errungenschaften stolz bewunderte fiel ihr Blick auf die Kommode. Diese hatte sie schlicht vergessen zu durchsuchen, sie stand auf und öffnete die Schubladen. Wie erwartet waren Klamotten drin, sie suchte sich ein schwarzes T-Shirt raus, das ihr nicht zu groß erschien, und ging wieder zum Tisch.
Sie zog ihre Jacke aus und entledigte sich ihres zerrissen Tops, zog sich das T-Shirt über den Kopf und machte einen Knoten rein, damit es nicht wie ein Sack an ihr hing, denn es war doch relativ groß. Dann machte sie sich aus dem Seil einen provisorischen Gürtel und befestigte Messer und Machete daran.
Nach etwa fünf Minuten war alles eingepackt und sie wappnete sich mit Stirnlampe und Rohr in der Hand und ging zurück ins Treppenhaus. Mit Licht im Treppenhaus wirkte alles nur noch halb so schlimm. Nach weiteren fünf Minuten war sie an einer zugeketteten Tür angelangt die nach draußen führte, Merle zog sie auf, so weit es ging, und quetschte sich, den Rucksack vorschiebend, durch die Lücke. Wenige Augenblicke später stand sie auf der Straße vor dem Gebäude. Weit und breit war niemand zu sehen, weder tot noch lebendig. Sie erkannte die Straße von früher und wand sich nach links, um zu dem Laden in der nächsten Querstraße zu kommen, wo sie ihre Waffen verloren hatte.
Dort angekommen hörte sie schon das Schlurfen und Stöhnen von Walkern, sie schlich zur Häuserecke und spähte in die Straße zum Laden. Keine Chance - es waren überall Untote zu sehen. Sie wich langsam zurück und seufzte leise, Dann machte sie sich wieder auf in Richtung Unterschlupf. Wenn alles gut ging würde sie nachts oder in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages ankommen.
Die junge Frau war mittlerweile mehrere Stunden durch die verlassen Häuserschluchten gewandert und kam nun an den Rand der Stadt.
Bis jetzt war ihr Weg ohne größere Vorkommnisse geblieben, und bis auf ein, zwei hungrige Walker die sich einige Meter von ihr entfernt langsam auf sie zu bewegt hatten, begegnete sie niemandem.
Was ihr nun immer mehr bewusst wurde, war, dass sie es nicht mehr bis in den sicheren Unterschlupf schaffen würde, die Ereignisse vom Vortag hatten sehr viel Kraft gekostet. Sie nahm sich vor in dem alten Gärtnereibetrieb wenige Kilometer vor der Stadt ihren Stopp einzulegen und am nächsten Tag weiter zu gehen, bis dahin müsste sie durchhalten.
Während ihrer kleinen Wanderung verfolgte in einigen Kilometern Entfernung der Doc ihre Spur.
Merle lief der Schweiß in Bächen die Stirn und den Rücken hinunter, immer wieder hob sie den Blick um das rettende Schild der Gärtnerei nicht zu übersehen. Von ihrem Hinweg zur Stadt wusste sie, dass das Schild komplett zugewuchert und kaum zu sehen war. Nach weiteren Metern anstrengenden Weges sah die junge Frau den rettenden Hinweis und durch das zugewucherte Schild beflügelt beschleunigte sie ihre Schritte. Sie bog in die ebenfalls zugewucherte Einfahrt ein und stapfte durch das hohe Gras, das den Weg in Richtung der Gärtnerei bedeckte.
Kaum zu sehen kam nach zwei-, dreihundert Metern ein Gebäude in Sicht das komplett von der Natur zurückerobert wurde. Das dämmrige Licht fiel auf die Ranken die das ganze Haus umschlossen. Beeindruckt von dieser wunderschönen Gewalt der Natur umrundete sie das Haus und fand einen Eingang in das Gebäude.
Schnell merkte sie, dass sie hier nicht so einfach bleiben konnte, denn es war zugig und überall lagen Tonscherben auf dem Boden. Als sie wieder aus dem Haus trat, sah sie eine Scheune die ähnlich zugewuchert wie das Haus war. Merle schritt auf die Scheune zu und öffnete das angelehnte Tor, es war schwer und sie bekam es nur einen Spalt weit auf. Drinnen lag überall altes Stroh herum, hier und da war es nass geworden und von Moos bedeckt, doch weiter hinten war es trocken. Neben einem der Stützbalken in der Nähe des Eingangs lagen ein Haufen alter leerer Kartoffelsäcke. Die ersten waren etwas nass doch die unteren waren weitestgehend trocken. Merle nahm ein paar Säcke in die Hand, ließ sie aber plötzlich schreiend fallen als eine Maus über ihren Fuß huschte und nach draußen floh. "Scheiß Vieh!!", fluchte sie vom Schreck schwer atmend. Die runtergefallenen Säcke hob sie wieder auf und lenkte ihre Schritte zu dem trocknen Stroh. Sie legte den Rucksack ab und fing an, sich aus dem trockenen Stroh und den leeren Säcken ein Lager zu bauen.
Als sie fertig war, sah sie zufrieden auf ihr Werk, sie hatte sowohl die Säcke mit Stroh gefüllt als auch Stroh ausgelegt. Im Großen und Ganzen sah es aus wie ein großes Vogelnest. Bei dem Gedanken lachte sie kurz auf. Sie schnappte sich den Rucksack und setzte sich in ihr Nest, und als die Sitzposition angenehm genug war, packte sie die Konserven aus und öffnete zwei davon. Das eine waren eingelegte Birnen und das andere Bohnen mit Speck. Nachdem sie sich den Bauch vollgeschlagen hatte, lehnte sie sich entspannt zurück und machte, um etwas Licht zu haben, ihre Lampe an. Lächelnd schaute sie Richtung Decke, schräg über ihr war ein Loch im Dach, wodurch sie den rosa Himmel sah. Merle gähnte herzhaft und hielt sich die Hand vor den Mund, danach stand sie nochmal auf, nahm das Seil aus dem Rucksack und befestigte es vor dem Tor als Stolperfalle. In den Fallwinkel der Falle legte sie die leeren Konservendosen und ein paar Tonblumentöpfe, damit sie es mitbekommen würde wenn jemand hier hereinkam.
Nach getaner Arbeit setzte sie sich wieder in ihre Nestkonstruktion, sie war hundemüde und gähnte nochmal herzhaft.
Merle griff neben sich und fischte hinter den gefüllten Säcken nach ein paar leeren Säcken. Als sie sie zu fassen bekam, zog sie ihr Messer aus der Scheide und trennte drei der Säcke an der Naht entlang auf. An den so entstehenden Schnittkanten entstanden viele kleine Fäden die sie nun mühsam mit den anderen Säcken verknüpfte. Nach mehreren Minuten dieser fummeligen Arbeit stand sie auf und hielt triumphierend eine improvisierte Decke in die Luft. Dann legte sich das junge Mädchen in ihrer Decke eingerollt in ihr Nest.
Kurze Zeit später ging ihr Atem gleichmäßig und sie war eingeschlafen. So bekam sie nicht mit, wie die Ranken um sie herum anfingen sich zu bewegen. Leise raschelnd formte sich ein Gesicht an der einen Wand der Scheune, auf der Stirn eine rot pulsierende Kugel, die leeren grünen Augenhöhlen richteten sich auf die schlafende Merle. Langsam schlängelten sich nahezu lautlos mehrere dieser Ranken Richtung Schlafplatz. Die Kreatur ging sehr bedacht vor, sie wollte keineswegs, dass ihr Opfer allzu schnell aufwacht und versucht, die Flucht zu ergreifen. Merle drehte sich im Schlaf auf den Rücken und die Decke rutschte etwas hoch, sodass einer ihrer beschuhten Füße zum Vorschein kam, die Ranken, die innegehalten hatten, krochen nun wieder langsam auf ihr Ziel zu. Als die erste Ranke angekommen war schlängelte diese sich unter die Decke und der Kopf teilte sich in viele kleine schnurartige Ranken die sehr vorsichtig den Körper von Merle abtasteten. Da die Kreatur keine wirklichen Augen besaß, hatte sie nur so eine Vorstellung wer da in ihr Reich eingedrungen war. Immer mehr Ranken gesellten sich zu der ersten und teilten sich an der Spitze. Hin und wieder kicherte Merle, wenn die Ranken an empfindliche Stellen kamen und sich schnell zurück zogen damit sie nicht aufwachte. Nach einiger Zeit hatte die Ranken-Kreatur ein genaues Bild von dem Eindringling und war erstaunt: es war kein Tier, sondern ein lebendiger weiblicher Mensch.
Noch unschlüssig, was sie machen sollte, begann die Kreatur mit ihren Ranken zu schauen was Merle gebaut hatte bevor sie sich zum Schlafen hingelegt hatte, dabei stieß sie die Dosen um, die Merle als Falle aufgestellt hatte. Laut scheppernd kullerten sie über den Boden und Merle saß aufrecht in ihrem provisorischen Bett, die eine Hand tastete nach der Taschenlampe und der Machete. Die Kreatur die diese Vibration gespürt hatte ließ augenblicklich sämtliche Ranken fallen und verharrte reglos. Das Licht der Taschenlampe durchflutete den Raum und zitterte leicht, als es auf die sich immer noch leicht bewegenden Dosen fiel. Als plötzlich ein kleines Tier durch den Lichtstrahl huschte schrie Merle spitz auf und zuckte zusammen. Nachdem ihre Atmung sich aber wieder beruhigt hatte, fing sie an zu lachen. “Ne verdammte Ratte!”, lachte sie amüsiert über ihre Schreckhaftigkeit. Die Kreatur, die die Vibration und Schwingung ihres Lachens wahrnahm, durchfuhr ein Schauer der durch alle Ranken ging. Dieses Geräusch, dieses Gefühl das es auslöste kannte das Monster, und es wollte mehr! Merle, die nichts von den Ranken mitbekommen hatte, stand auf, denn sie merkte, dass ihre Blase drückte. Sie schlich um ihre Fallen herum, stellte die umgefallenen Dosen wieder hin, und ging mit Taschenlampe und Machete raus aus der Scheune. Auf dem Weg zu einem kleinen Busch trat sie im Dunkeln voll in eine Pfütze, “Whaaa so ein Mist!”, fluchte sie leise und schüttelte ihren Fuß. Weiter fluchend ging sie hinter dem Busch in die Hocke und verrichtete ihr Geschäft.
Auf dem Rückweg zu ihrem Schlafplatz machte sie einen großen Bogen um die Pfütze und schlüpfte kurz darauf wieder in die Scheune, umrundete ihre Fallen und stand dann vor ihrem Lager. Mit dem nassen Schuh wollte sie sie jetzt nicht schlafen, und so zog sie ihn kurzerhand aus und stellte ihn vor ihr Nest. Die nasse Socke folgte dem Schuh nach und wurde daneben auf den Boden gelegt. “Seid ja wieder trocken bis morgen Früh!”, sagte sie leise murmelnd und legte sich nun mit nur noch einem Schuh bekleidet wieder unter ihre Decke. Gähnend streckte sie sich und machte es sich bequem, währenddessen waren dutzende der Ranken völlig lautlos bis an ihr Lager heran gekrochen. Merle dämmerte gerade weg, als sie ein leichtes Kitzeln an ihrem nackten Fuß spürte, sie kratzte mit ihm an ihrem Schuh um das Gefühl loszuwerden. Doch nach wenigen Augenblicken spürte sie es wieder, nur deutlich intensiver. Sie winkelte ihr Bein an um sich am Fuß zu kratzen, doch kaum hatte sie ihr Bein ausgestreckt kitzelte wieder was an ihrem Fuß und zwar so stark, dass sie kichernd den Fuß zurück zog und die Decke um schlug. Die Pflanze an der Wand verzog das Gesicht und schickte eine weitere Ranke in Richtung Kopf von Merle. Am Ende der Ranke bildete sich nach kurzer Zeit eine Knospe, die immer größer wurde. Die Knospe richtete sich auf und kroch auf den Mund von Merle zu, die mittlerweile eingeschlafen war und gleichmäßig atmete. Mit einem “plop” platzte die Knospe auf und die junge Frau atmete eine Art Pulver durch die Nase ein.
“ Ha..HAtsch!” Merle wachte durch das Kribbeln in ihrer Nase auf und rieb sich die Augen, sie schaute sich um, denn sie fühlte sich irgendwie beobachtet. Langsam richtete sie sich auf. “Ha...hallo?”, flüsterte sie in die Dunkelheit, es kam keine Antwort außer einem Rascheln in der Nähe. Sie schlug die Decke zurück und kniete sich hin, dabei merkte sie, dass sie sich irgendwie langsamer bewegte und ihr die Bewegung schwer viel. Als sie nach der Taschenlampe griff, entglitt sie ihr erst einmal, bevor sie sie zu fassen bekam. Sie machte sie an und stand auf, behutsam ließ sie das Licht der Lampe durch den Raum gleiten. Sie ging einen Schritt nach vorne aus ihrem Nest doch sie taumelte und ließ die Lampe fallen, die den Lichtstrahl nach oben sendend im Stroh stecken blieb. Rücklings fiel sie wieder ins Nest und starrte an die Decke. Merle versuchte sich aufzurichten doch ihre Arme reagierten nicht. ”Was….was ist das? Ich kann mich nicht bewegen!”, sagte sie und ihr fiel es schwer den Mund zu bewegen. Krampfhaft versuchte sie, ihre Arme zu heben, doch sie konnte nur langsam ihre Hände öffnen und schließen, auch ihre Beine regierten nicht auf die Befehle sich zu bewegen, als Ergebnis zuckte ihr Bein nur ein wenig.
“ Sooooo schhhhhöööööhhhhnnn!” hörte sie eine Stimme sagen, die sich anhörte als würden Blätter rascheln. Merle hatte alle Mühe den Kopf in die Richtung zu drehen aus der die Stimme kam. Als sie aschfahl in die Schatten jenseits des Lichtkegels schaute, erkannte sie nur, wie sich dort etwas bewegte. Langsam formte sich direkt neben ihrer Schlafstätte ein Gesicht aus Ranken. Blankes Entsetzen ergriff von Merle Besitz! Sie kannte die Gerüchte, dass die Mutation auch Pflanzen verändert hatte, doch sie hielt es für Schwachsinn bis jetzt.
Wimmernd sah sie wie eine Ranke auf ihr Gesicht zukam, und als die Ranke ihr Gesicht berührte versucht Merle den Kopf weg zu drehen, doch das Geschöpf drehte ihn kurzerhand zurück. “Bbbbbitte….Töte mich nicht!”, flehte sie und merkte wie ihr Tränen übers Gesicht liefen. Das Rankengesicht schaute sie jedoch verständnislos an. Plötzlich merkte sie wie sich die Ranken um ihre Schultern legten und sie ins Nest zogen, bis sie aufrecht saß. Nun sah sie, dass sie von ranken umgeben war, unterm Stroh, an den Wänden, überall auf dem Boden! “Wie konnte mir das entgehen!”, dachte sie und fluchte leise. Ängstlich schaute sie an sich herab, ihre Beine lagen leicht gespreizt auf der improvisierten Decke. Wieder versuchte sie ihre Beine zu bewegen, aber bis auf die Tatsache, dass sie es schaffte, ihre Zehe leicht zu bewegen, tat sich nichts. Auch die Arme hingen nutzlos an ihren Seiten, nur ihren Kopf konnte sie aufrecht halten und langsam bewegen.
Merle sah zu dem seltsamen Pflanzenwesen und es schaute zurück. Langsam ließ die Kreatur Ranken auf sie zu gleiten. Vorsichtig tasteten diese an ihr entlang, mit versteinerter Miene schaute sie den Ranken zu. Sie sog die Luft ein, als eine der Ranken an ihrem Fuß vorbei strich, eine weitere Ranke kroch unter ihre Jacke und unter ihr T-Shirt. Unvermittelt musste sie ein Kichern unterdrücken, die kleinen Blätter an der Ranke kitzelten sie an ihrem nackten Bauch. Die Ranke bekam Gesellschaft von einer zweiten und immer wieder streifte eine andere Ranke an ihrem nackten Fuß entlang, ein Kichern bahnte sich an. “Das kann doch nicht wahr sein!!”, dachte sie sich, während ihre Mundwinkel zuckten. “Das zweite Viech das mich kitzelt!”. Als eine der Ranken ihre Achsel passierte um zu ihrem Rücken zu kommen kicherte sie los. Das war zu viel! Erschrocken hielten alle Ranken inne und das Gesicht schaute sie an. “ Geeeehhhrrräääuuuschhhh…..noooccchhhhhmaaaaalll!!” und mit den Worten begannen sich die Ranken wieder zu bewegen, augenblicklich fing Merle wieder an zu kichern. “Bihhtthhee niiicht!!”, brachte sie noch kichernd hervor und schüttelte langsam den Kopf. Sie sah wie sich sowas wie ein Grinsen oder Lächeln auf dem Rankengesicht breit machte, sie sah auch wie eine andere Ranke zu dem Reißverschluss ihrer Jacke kroch und sich mit einer kleinen Ranke am Verschluss zu schaffen machte. Mit einem Ratsch ging die Jacke auf und eine weitere Ranke kroch nun deutlich leichter unter ihre Kleidung, doch sie kam nicht vernünftig an die Achsel ran es war zu wenig Platz. Merle schöpft schon Hoffnung als sie merkte wie sich Ranken um ihre Handgelenke legten und ihre Arme nach oben zogen, “ NAAHHHEIN!” schrie sie verzweifelt bevor ihr Schrei in ein Lachen überging. Alle drei Ranken krochen mit ihren kleinen Blättern nun ungehindert auf ihrem Oberkörper herum, doch immer, wenn sie die Achseln passieren wurde das Lachen von Merle eine Spur lauter.
Diese Hilflosigkeit machte sie wahnsinnig, warum auch immer, sie konnte sich nicht bewegen und musste diese Tortur ertragen. Die junge Frau kreischt kurz auf, denn eine der Ranken drückte sich unter ihren BH und zwischen ihren Brüsten durch und kam oben aus dem T-Shirt raus. Nie im Leben hätte sie gedacht das sie dort so empfindlich sein könnte. “STOPP!!” schrie sie so laut, dass die Ranken innehielten. Merle keuchte schwer und schaute zu dem Ungetüm. “Lass mich in Ruhe du scheiß Vieh!”, schleuderte sie ihm entgegen, ihr Atem ging immer noch keuchend. “Spaaaaahhhhssss!!” sagte die Kreatur, die Ranken setzten sich wieder in Bewegung doch behutsamer, was aber nicht verhinderte, dass Merle wieder anfing zu kichern. Es war deutlich weniger schlimm aber trotzdem war es pure Folter. Nun sah sie aber wie eine der Ranken sich ihrem nackten Fuß näherte. “Nein...nahahain... nahaein!”, kicherte sie und versucht ihren Fuß zu bewegen. Ihre Augen wurden groß, als sie sah wie sich die Spitze der Ranke teilte und zu vielen kleinen Ranken wurde. Ein lachender Schrei durchschnitt die Luft als die vielen Ranken anfingen, ihren nackten Fuß zu erforschen. Das einzige Gefühl, das nun dominierte, war dieser extreme Kitzelreiz der ihre Nervenbahnen zum Glühen brachte. Trotz der Lähmung schüttelte sie nun ihren Kopf wild hin und her, ihre Haare flogen nur so. Nun wurden auch die anderen Ranken wieder aktiver. Das war definitiv zu viel, Merles Lachen verstummte und wurde lautlos, zwischendurch japste sie laut um nach Luft zu schnappen. Ihr liefen Schweiß und Tränen übers Gesicht, auch ihr Rücken war mittlerweile nass vor Schweiß. Doch langsam bekam sie Panik, ein dunkler Schleier legte sich auf ihr Blickfeld und sie merkte das sie kurz davor war, ohnmächtig zu werden.
Doch da hörten die Ranken plötzlich auf und Merle konnte langsam wieder vernünftig atmen. Nun merkte sie auch, dass sie sich wieder mehr bewegen konnte, doch sie war fix und alle und ihr tat der Bauch vor Lachen weh und ihr Hals war ganz rau. Ihre Hände kamen frei und die Ranken aus ihrem T-Shirt verschwanden auch. Langsam zog sie die Beine an sich heran und stöhnte bei der Bewegung, ihre Muskeln waren total verkrampft. Als sie sich etwas gefangen hatte, sah sie, wie die Ranken welkten und austrockneten, und verwirrt sah sie zu dem Pflanzen-Gesicht, das nun einer erschrockenen Fratze glich. Dort wo die pulsierende Kugel war kamen die Zinken einer Mistgabel zum Vorschein, das Pflanzen-Ungetüm verwelkte immer schneller, bis es sich mit einem Knistern in Staub auflöste und die Mistgabel scheppernd zu Boden fiel. Als der Staub sich legte, sah Merle den Doc am Eingang der Scheune stehen. Sie wusste sofort, dass es derselbe wie aus der Stadt war. Zitternd griff sie nach ihrer Machte und richtete sie auf den Eingang, doch der Doc war verschwundenen. Sie suchte den Raum mit den Augen ab, doch es regte sich nichts. Mit unsicheren Fingern griff sie nach ihrer Decke und deckte sich immer noch sitzend zu, die Machete behielt sie in ihrer Hand. Dann schlief sie von der Erschöpfung übermannt ein.
Stunden später wurde sie von einem Geräusch geweckt, erschrocken richtete sie sich auf und griff nach der Machete die ihr aus der Hand gerutscht war. Der Doc saß gegen das Tor gelehnt ihr gegenüber. Merle ließ langsam die Machete sinken ohne den Doc aus den Augen zu lassen, sie merkte jeden ihrer Muskeln, alles tat ihr weh.
"Was ….was bist du?", fragte Merle unsicher, doch als Antwort zuckte der Doc nur mit den Schultern. Sie schluckte. "Wirst du mir ….mir was antun?". Der Doc schaute ihr direkt ins Gesicht und schüttelte langsam den Kopf. Merle musterte die Kreatur, sie wirkte deutlich intelligenter seit ihrer gestrigen Begegnung und sie saß! Seit dem Ausbruch der Apokalypse hatte sie noch nie einen Zombie sitzen gesehen, mal lagen sie irgendwo, um Beute aufzulauern, aber sitzende Untote gab es nicht.
Merle merkte wie sich ihr Hunger bemerkbar machte, stöhnend warf sie die Decke beiseite und griff nach ihrem Rucksack. Jede Bewegung war eine Qual, zwei Tage hintereinander war sie fast besinnungslos gekitzelt worden, ihre Muskeln waren verspannt und brannten vor Muskelkater. Sie durchsucht den Rucksack und holte eine Dose mit unbekanntem Inhalt heraus, und eine Flasche Wasser. Als die Dose offen war, angelte sie noch etwas Besteck aus einer Seitentasche und machte sich über ihr karges Mahl her. Der Doc beobachtete sie die ganze Zeit über bis sie fertig war. Die junge Frau lehnte sich wieder ächzend zurück. "Oh Gott, mir tut alles weh!", stöhnte sie, während sie es sich bequem machte. "Warum?". Merle zuckte zusammen und schaute den Doc an der sie nun neugierig betrachtete.
"Hast….hast du gerade was gesagt?". Der Doc konzentrierte sich, dann öffnete er den Mund und sagte angestrengt: "Jaa!". Ungläubig schaute Merle den Doc an, das war doch möglich! Konnte es sein, dass dieser Untote gerade eine weitere Mutation durchmachte? Dass er intelligenter wurde?
"Und du … du… du willst wissen, warum mir alles weh tut?". Wieder schaute er sehr angestrengt. "Jaa!". Ein Schauer fuhr ihr den Rücken runter. "Also..äh...ja also du und dieses Pflanzen-Ding! Ihr habt mich gekitzelt! Und dadurch, ja, dadurch tut mir alles weh!", versuchte Merle zu erklären und schaute den Untoten nun ihrerseits neugierig an. Dieser erwiderte ihren Blick lange und hoch konzentriert, und nach einiger Zeit machte er wieder den Mund auf: "Kitzeln tut weh?", würgte er fragend hervor.
"Ne… also nein, eher der Muskelkater danach! Vom Lachen und Versuchen zu entkommen!". Jetzt schaute der Doc tatsächlich nachdenklich zum Dach der Scheune. Unsicher schaute sie ihn an, ihr Körper schrie förmlich nach Erholung und sie musste gähnen. Ein Blick durch das Loch im Dach der Scheune sagte ihr, dass die Sonne gerade anfing aufzugehen, wieder gähnte sie herzhaft. " Schlaf, ich pass auf!", sagte der Doc unvermittelt den Blick weiter zum Dach gerichtet. Merle zögerte, schließlich war er ein Zombie! Doch andererseits hätte sie sich in diesem Zustand nicht groß wehren können. Langsam legte sie sich also wieder hin und positionierte die Machete neben sich, den Blick auf den Doc gerichtet. Nach einem weiteren Gähnen fielen ihr die Augen zu und sie glitt in einen tiefen unruhigen Schlaf.
Der Doc richtete seinen Blick auf die junge Frau, die nun tief und gleichmäßig atmete. Eine innere Wärme breitete sich in ihm aus, wenn er sie ansah, eine Wärme die er schon lange vermisst hatte. "Schlaf gut!" Sagte er leise knurrend und richtete seinen Blick wieder auf die Decke, und schaute durch das Loch im Dach auf das heller werdende Firmament.