( German language)
Xshi-Kong Dashi, Lujang Pox Ho, Tan Reng Lak
( 2.Tag des Hitzemondes, 11.Jahr des Schilfs = 2.Juli 2.325)

Die Gen-Katong – Mutter der Schwerter und damit höchste Priesterin des Tempels der vollendeten Kriegskunst – saß im Schneidersitz in der kleinen, schlichten Kammer.
Shia-Ling Zen schloß leise die Tür und verneigte sich tief. Sie trug nur die kurze schwarze Amsha-Tunika und Amshahosen, ihre Füsse waren bloß, das lange schwarze Haar zum strengen Knoten gefasst.
„Setz Dich, Tochter des Schwertes.“
Die junge Schülerin gehorchte.
Schweigen breitete sich aus. Ungeduld war eine Sünde, eine Schwäche. Shia-Ling wusste das. Es war IHRE Schwäche, und das wiederum wusste die Gen-Katong.
Die junge Ki-Tan-Feng bezähmte sich, rief sich ihre Übungen ins Gedächtnis, suchte ihr Ki, den Kern ihrer Seele, von den Großnasen des Westens Aura genannt.
Gedämpft durch die dicken Mauern des Klosters drang schwach Schwerterklirren in die Kammer. Über 100 Schülerinnen beherbergte das Kloster, zumeist adlige Töchter, die hier den Umgang mit Katong und den waffenlosen Kampf erlernen sollten, und vor allem, Diziplin und Geduld. Eins sein mit dem Ki, genügsam, wartend, wie der Raptor auf die Beute.
Schwer fiel das heutzutage den jungen Hochgeborenen, aufgewachsen in üppigem Überfluß, früh von dekadenten Vergnügungen gesättigt, immer auf der Jagd nach neuem Spaß und neuer Aufregung.
Hierin wenigstens unterschied sich Shia-Ling von den Anderen. Ihre Mutter schätzte die alten Wege, und mied den Sündenpfuhl Poi-Xang, die Hauptstadt, Sitz der Enshi-Shilu, wie das Fuwupp-Mupp den Kochtopf einer Garküche. Gleiches galt für ihre Töchter, ob sie wollten oder nicht. Aufgewachsen war Shia-Ling in der ruhigen, bescheidenen Atmosphäre des abgelegenen Landhauses ihrer Familie, doch ihr Temperament und ihr Tatendrang hatten sich schlicht Anderem  zugewandt. Kein Baum, den sie nicht erklettert, kein Weg, den sie nicht erkundet, kein Khakumon auf dem Gut, dass sie nicht geritten hätte. Xoiki-Sha, Wildfang, hatte ihre Mutter sie immer gerufen. Bücher, die alte Rechenkunst, die Gesetzeswerke, all dies hatte den kleinen Xoiki-Sha stets mit Abscheu erfüllt. Und so, obschon nur dritte Tochter des Hauses, war SIE es gewesen, die zur Raxu, einer Kriegerin, herangebildet werden sollte, die das schwarze Leder, die hohen Overkneestiefel der bewaffneten Macht der Enshi-Shilu tragen sollte.
Die meisten jungen Frauen hier betrachteten den zweijährigen Aufenthalt als lästige Formalität, überflüssig, wo sie doch bald schon wichtige Posten in der Armee des Reiches innehaben würden. Dort dann gab es andere, niedere Frauen, die das Katong und die Schwertlanze, dass KatongFarshi, tragen und einsetzen würden, sei es gegen aufständisches Pack oder die äußeren Feinde der Enshi-Shilu. Dem anstrengenden und quälenden Doppeljahr im Kloster folgte stets die Lehre an der Hohen Kriegsakademie zu Poi-Xang. Befehlen und führen wollten die jungen Damen, wie es ihrem Stand angemessen war, und andere in den Kampf schicken, statt ihre kostbare Haut dem Stahl feindlicher Waffen oder den Steinen und Harken hungriger, abgerissener Bäuerinnen auszusetzen.
Shia-Ling dagegen erfüllte die Aussicht, von einem Büro aus Truppen zu kommandieren, mit Entsetzen. Kämpfen wollte sie, Ehre und Ruhm erringen, wie sie es als Kind, am Ufer des kleinen Flusses nahe des mütterlichen Guts im Gras liegend, sich ein ums andere Mal erträumt hatte. Wie sie es mit den Gesindemädchen und Hoi, dem Sklavenjungen aus den Ställen, immer wieder durchgespielt hatte. Finstere phallokratische Großnasen hatten sie mit ihren Holzwaffen, mächtigen Zauberschwertern, niedergerungen, unzählige Raptoren, Jagdspinnen und Deinochyrs erschlagen, die Enshi-Shilu aus den Händen finsterer Schwarzmagas befreit, und nicht zuletzt die verschlagenen, gemeinen Mayutas bezwungen, die wieder einmal übers Meer kamen, um KiTanFeng zu unterwerfen. Mit Hoi hatte sie, älter geworden, auch andere Abenteuer erlebt, Abenteuer, die verboten waren. Nicht, dass Shia-Ling nicht alt genug gewesen wäre. Doch mit einer Geschlechtsschwester hätte sie die Liebe entdecken sollen, nicht mit einem Männchen. Allein der Fortpflanzung war der intime Kontakt mit dem Manne vorbehalten, da, wie sonst auch, war die Familie den alten Wegen verhaftet.
Hier im Kloster, im Gespräch mit den anderen, in Poi-Xang oder anderen großen Städten aufgewachsenen Mädchen, lernte sie, dass diese ihr hier Einiges voraus hatten.
Und dennoch blieb ein dunkles Geheimnis. Die anderen vergnügten sich ebenso mit Männchen, ja, aber es war Spaß, Lust, nicht mehr. Shia Ling jedoch, sie hatte etwas Tieferes empfunden für Hoi, den Stalljungen. Tief verborgen in ihr waren diese Gefühle, bedeuteten sie doch, das Shia-Ling krank war, schwer krank. Heterosexualität war in KiTanFeng gefürchtet wie die Blaue Keuche.
„Spüre Dein Ki, Tochter, anstatt die Pfade der Erinnerung entlang zu wandeln.“
„Ja, Gen.“
„Deine Zeit im Kloster neigt sich dem Ende. Du hast gut gelernt. Lange schon blieb mir die Freude einer Schülerin mit Eifer und Talent versagt.“
Shia-Ling sah überrascht auf, senkte jedoch sogleich wieder den Blick. Ein Lob aus dem Munde der Gen-Katong, davon hatte frau am Ort noch nie gehört.
„Du sprichst fenlorisch?“
„Ja, Gen.“
„Du wirst nach Fenlora gehen, in die Hauptstadt der großnasigen Frauen, Targomua. Dort wohnt eine Frau, eine Großnase, der ich verbunden bin. Du wirst ihr einen Brief überbringen. Warte, bis Du Antwort von ihr zu mir zurück mitnehmen kannst.“
„Ja, Gen.“
„Geh nun, und bereite Dich vor, Du wirst morgen früh aufbrechen. Geld für die Spiegelreisen und den Aufenthalt in der Fremde sowie den Brief wirst Du bei Aufbruch erhalten.“
„Ja, Gen.“
Shia-Ling erhob sich, verneigte sich erneut tief und schritt aus der Kammer.
Im Gang verzogen sich ihre feinen Züge zu einem im Kloster unangemessenen Lächeln. Targomua in Fenlora, größte Stadt aller Matriarchate! Sie würde hinausreisen, einen zweifellos wichtigen Brief überbringen. Welche großen Abenteuer mochten sie erwarten?
         

Wildnis westlich Elimb-Uldeggs, Feemat Nag-Blurg, Gromien,
Beddas Julus, BeddasGammonBeddasEpson awor Lorn, Ioton Auror
(2.Juli 2.325 nach Lorn, 9.Stunde)

„Ihr fragt Euch bestimmt, warum wir Euch geknebelt halten, wo es doch in hundert Meilen Umkreis keine Menschenseele gibt, die Euch hören könnte.“
„Mmmppff!“
„Dachte ich mir. Also, ich werds Euch erklären, meine Schöne. Erstens, müssen meine Jungs und ich so Euer Gejammer und die Verwünschungen nicht hören, die ihr sicher auf Lager habt. Zweitens verhindern wir so, dass ihr Euch untereinander unterhalten könnt, und Drittens… gehört es sich so. Lorn, dem mächtigen Herrn in den Himmeln, behagt es, gefangene Weiber ordentlich verschnürt und gut geknebelt zu sehen. So sagen es die Lornpriester, und ich bin ein gottesfürchtiger Mann. Nebenbei, mir behagt der Anblick ebenso. Sagt doch selbst, das Seil sieht wirklich gut aus an euren schwarzen Stiefeln, und es gibt nichts Besseres um so schöne große Augen wie Die Euren zu betonen als einen Knebel.
Wie gesagt, Lorn will es so, und jeder gute Terkonnier eilt sich, dem großen Gotte zu gefallen.“
„Uhhummmpff!“
„Ach, das wusstet ihr alles schon?
„Ja, was regt ihr euch dann so auf? Ist euch kalt? Der Wind ist etwas frisch an euren bloßen Schultern, zugegeben, aber die Sonne wärmt doch kräftig, oder? Erzählt mir nicht, eure Fesseln drückten. Meine Jungs wissen, wie man bindet, ohne der Kundin das Blut abzuschneiden oder Nerven einzuklemmen. Außerdem durftet ihr euch heute Morgen eine ganze Viertelstunde strecken.
Steckt euch vielleicht eine Haarsträhne im Knebeltuch und ziept euch?“
Kharkon fasste hinüber und strich das Haar der blonden Exanführerin der Fenloras von ihrem knebelnden Amshatuch zurück. Sie funkelte ihn mit ihren blauen Augen kochend vor Wut an.
Er grinste und patschte ihr leicht gegen die Wange.
„Na, alles in Ordnung. Wir machen bald wieder eine Pause, dann dürft ihr alle die Kiefer entspannen, etwas trinken und eine Kippe durchziehen. Wusstet ihr übrigens, dass Rauchen die Haut altern lässt?“
„Gmmphh!“
„Ich gebe zu, unsere Kommunikation ist etwas einseitig, aber zu Hause werden wir noch genug Gelegenheit haben, uns richtig zu unterhalten. Es gibt so Vieles, was ihr mir unbedingt erzählen müsst.“
Die Fenlora schnaubte und warf stolz ihr Haar zurück. Kharkon blickte an der Kolonne entlang. Er und seine Männer ritten mit den zwölf Gefangenen seit 5 Tagen durch die gromische Wildnis. In 3 weiteren Tagen würden sie Trokko-Enpp, Hauptbasis seines Regiments hier in Zentralgromien, erreichen.
Bisher verlief der Ritt ohne jeden Zwischenfall, sah man davon ab, dass gestern Abend während der Gefangenenversorgung die braunlockige Legilalita Sirobas in den Finger gebissen hatte. Kharkon hatte Anweisung gegeben, dass die stolze Kriegerin – im Gegensatz zu den jungen Wehrpflichtigen konnte man bei der Unteroffizierin den Begriff Kriegerin mit Fug und Recht anwenden – vorerst in den Pausen nicht mehr rauchen durfte. Mal sehen, wie lange die süße Süchtelin das durchhielt. Harte Kriegerin oder nicht, am Besten packte man die Weiber bei ihren angeborenen Schwächen.
Kharkon reckte den Kopf, als Belgon, der als Späher der Truppe vorausgeritten war, auf dem nächsten Hügelkamm vor der Truppe auftauchte. Er ritt schnell auf sie zu. Sein Khakumon wirkte nervös, der Schwanz peitschte hin und her, die beweglichen, vorstehenden Augen rollten vor und zurück.
Kharkon strich sich über die spiegelblanke Glatze und meinte, weiter in beiläufigem Plaudertonfall, zu der blonden Gefangenen:
„Das riecht nach Ärger. Schätze, Belgon hat irgendein Viehzeug auf unserem Weg entdeckt.“
Sollte es zur Begegnung mit Angehörigen der terklorischen Tierwelt kommen, waren die Blonde und ihre Mitgefangenen relativ hilflos in ihrem Zustand. Natürlich würde Kharkon, wenn es zum Schlimmsten kam, Befehl geben, die Leinen der Khakumons der Fenloras zu kappen, so dass die Frauen sich mit den Reittieren selbst in Sicherheit bringen konnten. Sollten Kharkon und seine Jungs das Monster überleben, konnten sie die Mädels immer noch wieder einsammeln, schließlich blieben sie gefesselt und geknebelt und wären, auf den Khakumons frei reitend oder nicht, früher oder später verdurstet.
Doch soweit gedachte der Terkonnier es nicht kommen zu lassen.      
„Was liegt an, Bellgon?“
Der hünenhafte Dunkelhaarige zügelte sein Tier vor der Truppe und rief:
„Frische Spuren und Haufen von einem Tyrannopärchen. Vor uns liegt ein Revier, kein Zweifel. Fürchte, wir sind ziemlich mittig, Sju.“
Kharkon schätzte einen lockeren Umgangston in der Truppe, sie waren alle Kameraden und aufeinander angewiesen. Andere Führer hätten sich die Anrede Sju – Slang für Chef – schlicht verbeten.
„Können wirs umgehen?“
„Kostet Zeit. Haben wir die?“
„Hm. Die Paketchen müssen so schnell wie möglich nach Troko-Enpp.“
Während die Truppe weiter ritt, überlegte Kharkon kurz. Belgon wendete sein Khakumon und schloss sich auf der anderen Seite der blonden Fenlora dem kleinen Zug an, sie unschuldig angrinsend.
„Wir reiten weiter auf dem bisherigen Weg. Terdolas, Virgon, nach links und rechts raus, Vorsicherung. Bellgon, ab nach vorne. Wenn wir den Viechern begegnen, will ich Vorwarnung haben. Macht die Thrustons und Bögen bereit. Dainoras, das Gift!“
Die Gruppe hielt vorübergehend an, und der alte Dainoras verteilte Tuben des stark wirkenden Saurex-Giftes an die Jungs. Auch Kharkon selbst bestrich die Klinge seines Thrustons, des terkonnischen Stoßspeers, und die Spitzen von sechs Pfeilen mit der schwarzen Paste, die, dank der Güte Lorns, und vielleicht auch Sheilas, für Menschen völlig ungefährlich war, während sie selbst sechs Meter  große Tyrannosaurier in wenigen Augenblicken zu ihren Echsenahnen schickte. Allerdings schmeckte das Zeug fürchterlich, hatte er sich zumindest sagen lassen. Bei genauerem Nachdenken, welcher auch nur halbwegs gesunde Mann würde Saurex-Gift… vielleicht ein Mesapontier?
„Gut, Jungs, weiter gehts. Betet zu Lorn und Ainz Sielahn, dass die Monster satt in ihrem Nest schlummern oder gerade Brontos jagen. Wenn aber nicht…“
„Können sie was erleben!“ brüllten die Terkonnier im Chor. Die blonde Gefangene neben Kharkon verdrehte die Augen und tauschte einen Blick mit der Legilalita, die in ihren Knebel schnaubte und seufzte.
Während die Späher voraus ritten, setzten die fünf übrigen Krieger den Weg mit den Gefangenen fort. Flugechsen kreisten am Himmel, Insekten brummten von Blume zu Blume, schreckhafte Mieps, unterarmlange, kleine Echsen, wimmelten im Gras von einem ihrer Erdlöcher zum Anderen. Ab und zu senkte eines der Khakumons, Allesfresser, die sie waren, den Kopf nah einem der unglaublich dummen Tierchen und schnappte es mit den spitzen Fängen, verzehrte das unglückliche Miep genüsslich. Ein Stamm wilder Fuwup-Mupps musterte aus sicherer Entfernung die Vorbeiziehenden. Hier und da in der Ebene grasten Großsaurier, tumbe, harmlose Pflanzenfresser. Geradezu beschaulich musste das Ganze dem Betrachter erscheinen.  
Die Terkonnier jedoch waren angespannt, und auch die gefangenen Fenloras rutschten nervös in den Sätteln herum und beäugten die Umgebung. So sehr eine Versklavung durch die Erzfeinde aus Terkonnia den Lebensplan jeder Einzelnen auch über den Haufen warf, war solches Schicksal gewiss der Zerfleischung durch einen Raubsaurier vorzuziehen.
Eine halbe Stunde verging. Belgon zeigte sich kurz voraus auf einem Hügel, winkte und ward wieder verschwunden.
Das markerschütternde Brüllen von rückwärts fuhr allen in die Glieder, überraschte jedoch weder Mann noch Frau. Die Krieger blickten zurück. Nicht von vorne oder den Seiten kamen die beiden Monster, hinter ihnen hatten sie die Fährte aufgenommen, zeigten sich nun auf einem Hügelkamm gut 1 Meile zurück.
Mit langen Schritten ihrer riesigen, kräftigen Beine eilten sie heran. Zu hoffen, ihnen davonzureiten, konnte nur, wer die Tyrannos nicht kannte.
Kharkon gab ruhig und sicher seine Befehle. Auch die drei Männer der Sicherung hatten das urtümliche Brüllen, den Jagdschrei der Bestien, vernommen und eilten von Flanken und Spitze herbei. Die Terkonnier postierten sich zwischen den Riesenräubern und ihren weiblichen Gefangenen, diese schützend. Noch blieb Zeit. Alle acht waren versammelt und bereit, noch bevor die Saurier in Pfeilreichweite gelangt waren.
Vier der Männer, darunter Kharkon und Sirobas, hatten die Langbögen gespannt, vor sich ihre vier Kameraden, die sie mit den Thrustons schirmen sollten. Der hinterste der Speerträger, jüngster der Gruppe, hielt die Leinen der Weiberreittiere.
„Ruhig, Männer. Laßt sie näher heran. Jeder Schuss muss sitzen.“
Gewiss, das Saurex-Gift wirkte rasch, allein es musste in den Blutkreislauf der Monstren gelangen. Dick und hart war das Echsenleder ihrer Haut, und manch siegesgewisser Jäger sah schon mit Entsetzen seinen Pfeil abprallen – für einen zweiten blieb nicht immer Zeit.
An die 6 Meter groß waren die Raubsaurier, grünledern ihre warzige Haut, armlang schienen ihre Fänge, tückische rötliche Augen funkelten vor hungriger Gier, die gewaltigen Schwänze waren starr ausgestreckt, bestimmt, der schweren Leiber Gleichgewicht in schnellem Lauf zu halten. Ein Paar, Männchen und Weibchen, war es, die weibliche Echse noch größer und kräftiger als ihr Gatterich.
„Jetzt!“ brüllte Kharkon und ließ die Sehne schnellen. Wohl gezielt hatte er auf des Weibchens Kloake, weichste Stelle im Rumpf. Vier Pfeile flogen, alle trafen ihr Ziel. Zwei drangen in den Weibchens Weichen, bohrten sich tief in der Echse Scham. Ebenso ein auf das männliche Tier gezielter Pfeil, während der letzte die Flanke zum Ziele hatte, jedoch abprallte.
Zunächst, für wenige Augenblicke, achteten die Echsen der Stacheln nicht, stürmten weiter heran. Dann jedoch schrieen Beide wild auf, als grausiger, nie gekannter Schmerz ihre riesigen Leiber schüttelte. Es hieß, dass Saurex bringe das Blut der Echsen buchstäblich zum Kochen. Der Schrei des Weibchens wurde schrill, sie drehte sich im Kreise, suchte mit dem Maul die bösen Stacheln zu erreichen. Doch die Entfernung der Pfeile hätte das Tier nicht mehr gerettet.
Das Männchen indes, ebenso rasend vor Schmerz, stürmte dennoch weiter, überbrückte die verbliebene Strecke zu den leckeren, kleinen Happen mit Riesensätzen.
Nicht gezögert hatten die terkonnischen Krieger, und vier weitere Pfeile surrten dem Monster entgegen. Alle trafen, schickten mehr tödliches, schmerzendes Gift in der Echse Venen.
Doch nicht rasch genug. Die Echse war heran. Die Speerträger, ihre panikerfüllten Kakumons mit roher Gewalt zwingend, stellten sich dem Koloß aus Fleisch und Zähnen und rammten die Stoßspeere in den gewaltigen Leib. Belgons Stoß, geschickt geführt, mit aller Kraft des Recken, drang durch den ledernen Panzer in der Leibesmitte, bohrte sich in lebenswichtige Organe und wäre allein tödlich gewesen. Das Gift, nun auch noch der Speere Ladung, war schneller.
Ein letztes Mal bäumte sich die Echse auf, der Schwanz fegte heran, traf Dainoras Khakumon und schleuderte es zurück. Der alte Reiter löste sich geschickt aus dem Sattel und rollte sich im Gras ab.
Der Todesschrei des Männchens, sich vermischend mit dem letzten Röcheln der Gattin 30 Meter zurück, schrillte Mensch und Reittier in den Ohren. Die Khakumons scheuten, ihre Augen rollten wild. Des jüngsten Recken Griff um die Lederleinen lockerte sich.
Kharkon einen dritten Pfeil bereits auf der Sehne, sah nach Dainoras, unverletzt schien der alte Kämpe, sein Khakumon jedoch, von der vollen Wucht des Monsterschwanzes getroffen, lag in den letzten Zuckungen, die Glieder zerschmettert, abseits. Wohl hörte Kharkon den überraschten Ausruf des jüngsten seiner Männer, doch ein letztes Aufbäumen des Echsenmännchns beanspruchte seine Aufmerksamkeit. Auch den dritten Pfeil sandte er gedankenschnell in den zitternden Rumpf. Jetzt lagen beide Echsen lang ausgestreckt, Glieder und Schwanz in schwachen Zuckungen, die Zungen aufgequollen und dunkel verfärbt aus den zahnstarrenden Schnauzen hängend, schwach nur röchelnd noch.
Jetzt erst wandte der Terkonnier den Kopf nach hinten, gewahrte den jungen Bewacher der Weiber am Boden, sich den Leib haltend, die Gefangenen auf den unruhigen, erschreckten Reittieren durchgeschüttelt, eine jedoch, die Legilalita, wer sonst, davon preschend, schon mit erstaunlichem Vorsprung.
Immer noch mit Seil verschnürt, festgebunden an Sattel und Steigbügeln ihres Khakumons, war sie tief über des Tieres Hals gebeugt, ihre braunen Locken flatterten im Wind.
Kharkon fluchte. Sirobas rief:
„Soll ich sie zurückholen?“
Der Anführer zögerte, schüttelte dann den Kopf. Sirobas war ein Pechvogel, dieses Weib war gewitzt und erfahren, gefesselt oder nicht.
„Nein, Belgon und ich holen sie zurück. Dainoras, besteige ein Ersatztier. Führe die Truppe weiter nach Westen. Wenn wir die Furie wieder eingefangen haben, werden wir Euch auf Eurer Fährte folgen.“
„Ai, Ceppton.“
Kharkon nickte Belgon zu, Sirobas gekränkten Blick ignorierend, und spornte sein Khakumon an. Belgon riß den Thruston aus der verendenden Riesenechse und schickte sich an, seinem Anführer zu folgen.
Der Vorsprung der Fenlora war weiter gewachsen. Sie hielt auf einen grünen Streifen im Nordwesten zu. Einer der Wälder, die hier und da die Ebene sprenkelten.
Na großartig, dachte Kharkon.
Er musste sie einholen, bevor sie des Waldes Saum erreichte.