Stolz und Todesurteil


Die Fortsetzung zu Die Demonstration

 

Es war bereits Abend als Tiziana bei Vanessa eintraf. Eine Dienerin öffnete ihr und ihrer Entourage die Tür. Kaum war sie eingetreten trat ihr auch schon Vanessa entgegen.


„Tiziana, es ist Ewigkeiten her.“


Sie umarmten sich.


„Das letzte Mal, dass wir uns sahen, war auf der Messe, nicht wahr?“


„Ja, richtig. Ich kann kaum glauben, wie die Zeit verfliegt.“


„Komm ich habe dir so viel zu erzählen.“


Ihre Schritte auf dem Marmorboden hallten von den hohen Wänden wider, während sie sich ihren Weg durch die Hallen der Villa bahnten. Die beiden erreichten das Triclinium, ließen sich auf den Liegen nieder und erzählten einander aufgeregt von den Belanglosigkeiten der letzten Monate.

 

Als sich Tizianas Weinglas wieder gelehrt hatte, hob sie es wortlos. Sofort schritt eine junge Sklavin herbei und schenkte ihr nach. Tiziana musterte sie. Ihre bräunliche Haut, ihr schwarzes Haar und ihre tiefen dunklen Augen ließen auf eine südliche Herkunft schließen. Das Mädchen trug eine knappe Tunika und ein Paar zierlicher Ledersandalen. Um den Hals hatte sie einen kleinen Anhänger aus Elfenbein an einem ledernen Band. Der Anhänger zeigte die Göttin Clementia.

Als das Glas wieder gefüllt war und sich das Mädchen von ihr abwenden wollte, griff sie Tiziana leicht am Handgelenk.


„Warte, Mädchen! Stell die Amphore ab!“


Sie tat wie ihr geheißen.


„Auf deine Knie!“


Die Sklavin spürte den kalten Marmorboden unter ihren bloßen Knien. Tiziana, noch immer in entspannter Pose auf der Liege, griff ihr sanft unters Kinn und blickte dem Mädchen ins Gesicht.


„Was für ein liebliches Mädchen. Wie heißt du, Kind?“


„Paula, Herrin“ antwortete sie mit zaghafter Stimme.


„Und wie alt bist du?“


„Ich bin neunzehn Jahre alt, Herrin.“


„Du hast einen schönen Anhänger, meine Liebe. Glaubst du an die Götter?“


„J… ja, Herrin. Mein Schicksal liegt in ihren Händen.“


Tiziana ließ ihr Kinn los und lächelte das naive Kind an. Dann entließ sie sie mit einer lässigen Handgeste.

Vanessa hatte sich alles halb interessiert, halb gelangweilt angesehen. Sie hatte ohnehin schon einen über den Durst getrunken. Mit einem Finger fuhr sie immer wieder Kreise über den Rand ihres Weinglases.

„Ich wünschte meine Sklavinnen wären so anmutig“ schloss Tiziana und kehrte auf das ursprüngliche Gesprächsthema zurück.


Die beiden redeten noch bis tief in die Nacht, bis sie schließlich zu Bett gingen. Tiziana bezog ein luxuriöses Gemach im Gästeflügel und zog sich aus. Nackt stellte sie sich vor den Spiegel in dem Zimmer und ließ ihren Blick über ihren makellosen Körper schweifen. Dann legte sie sich nieder. Doch der Schlaf kam nicht sofort. Vielmehr beschäftigte sie noch dieses zarte Geschöpf von zuvor. Dieses arme junge Ding, dem man auf den ersten Blick ansah, dass es noch nie einen bösen Gedanken gehegt oder etwas Unerlaubtes getan hatte. Wo hatte Vanessa diesen kleinen Engel bloß her?


 

Der nächste Morgen brach an und Tiziana erwachte aus ihrem sorglosen Schlummer. Sie trat, noch immer nackt, an eines der großen Fenster mit Blick auf den Garten. Sie lächelte. Unten sah sie Paula auf einer hölzernen Bank in der Sonne sitzen. Das Mädchen genoss die warmen Strahlen auf ihrer zarten Haut und streichelte eine getigerte Katze, die sich vor ihr auf dem Boden räkelte.


 

Heiß brannte die Sonne auf Vanessas Weinbaugebiet nieder. Die Fliegen summten, die Zikaden sangen unermüdlich. Keine Wolke. Kein Wind. Nur die brennende Sonne. In ihren dünnen weißen Gewändern schlenderten die beiden Aristokratinnen auf einem Pfad zwischen den zahllosen Weinreben. Die schwarze Erde war weich unter ihren braunen Sandalen.


„Sag mal, Vanessa, wo hast du eigentlich diese hübsche Sklavin her? Du weißt schon, die, die gestern den Wein eingeschenkt hat.“


„Paula? Die habe ich vor einigen Wochen mit ein paar anderen auf dem Markt gekauft. Warum?“


„Was willst du für das Mädchen haben?“


„Sie gefällt dir, was? Das Mädchen war nicht teuer. Nimm sie gern mit. Betrachte sie als kleines Abschiedsgeschenk.“


Das wohlige Gefühl der Konsumfreude flutete durch Tizianas Bauch.


„Danke. Ich verspreche dir, ich werde mich bei gegebener Zeit revanchieren.“


„Mach dir darum keine Gedanken“ entgegnete Vanessa mit einer leichten Handbewegung.


„Ach, was ich dich noch fragen wollte: Hast du dein neues Spielzeug, das du damals auf der Messe gekauft hast, seither eigentlich benutzt?“


„Nein, noch nicht. Ich hatte noch keinen Anlass. Aber wer weiß…?“


 

Am Nachmittag verabschiedete sich Tiziana schließlich von Vanessa und ließ sie sich in ihrer Sänfte wieder nach Hause tragen. Paula folgte ihr. Sie hatte erst kurz vor dem Aufbruch erfahren, dass sie verschenkt worden war. Niemand hatte ihr gesagt, was mit ihr geschehen sollte. Schweigend trat die junge Sklavin ihrem ungewissen Schicksal entgegen und griff immer wieder an ihren kleinen Anhänger.

 

Schließlich erreichten sie Tizianas Landgut. Eine Dienerin trat ihnen entgegen.


„Willkommen zurück Domina. Ich hoffe, Euer Besuch war erfreulich.“


„Durchaus, meine Liebe. Elena, sei so gut und kümmere dich um die junge Paula hier. Vanessa war so freundlich, sie mir zu überlassen.“


„Wie Ihr wünscht, Herrin.“


Elena befahl Paula, ihr zu folgen, führte sie durch das Haus, gab ihr zu Essen und wies ihr schließlich ein angenehmes kleines Zimmer zu. Es enthielt einen Schrank, ein Bett und einen kleinen Tisch.

„Mach es dir hier drin gemütlich. Morgen werden wir dir auch neue Kleider besorgen. Du wirst sehen, Tiziana ist eine gnädige Herrin. Und wann immer du etwas brauchst, wende dich an mich.“


Damit verabschiedete sich Elena und Paula war allein in ihrem Zimmer. Inzwischen war es schon dunkel geworden.

Das Mädchen zog sich aus und machte sich bettfertig. Bevor sie sich hinlegte, ging sie vor ihrem Bett auf die Knie und faltete die Hände. Leise betete sie:


„Ihr Götter, steht mir bei und wacht über mich. Ich bitte Euch, nehmt mir meine Furcht.“


 

Am nächsten Morgen brachte Elena die Sklavin in einen anderen Flügel der Villa und ließ ihr die Worte Serva Tizianae unter den Arm tätowieren. Während der schmerzhaften Prozedur schloss Paula die Augen und Tränen rannen ihre Wangen herab.

 

Danach empfing Paula Putzzeug und Schlüssel und betrat das geräumige Schlafzimmer ihrer Herrin. Es war geschmackvoll eingerichtet mit hölzernen Möbeln, einem Kamin, einem Tigerpelz vor dem Bett und einem riesenhaften Spiegel an der Wand. Neben dem Spiegel befand sich eine Tür, hinter der Tizianas privates Zimmer lag.


Niemand war da. Das Mädchen begann gemächlich den Boden zu fegen, zu wischen und das Bett zu machen. Dann trat sie durch die Tür in Tizianas Privatgemach. Paula erstarrte. In der Mitte des riesigen Zimmers stand eine Konstruktion aus Holz und Eisen, mit einer stählernen Klinge an seiner Spitze. Dem Gerät gegenüber stand ein tiefer roter gepolsterter Sessel.

Paula legte ihr Putzzeug nieder, ging auf die Maschine zu und trat langsam um sie herum. Sie starrte auf die vier eisernen Fesseln auf der Bank. Die junge Sklavin bekam eine Gänsehaut.


„Gefällt sie dir?“


Paula zuckte zusammen und drehte sich auf der Stelle um. In den Türrahmen gelehnt stand Tiziana und lächelte sie an.


„Domina, verzeiht, ich… ich war dabei das Zimmer zu reinigen.“


„Aber natürlich…“ sagte Tiziana und blickte spöttisch auf das Putzzeug, das neben ihr in der Tür stand. Langsam trat sie auf die Guillotine und das Mädchen zu.


„Sei mir auf jeden Fall vorsichtig, wenn du das Fallbeil polierst. Nicht, dass du dir wehtust…“


Paula nickte mit gesenktem Haupt. Sie stand noch immer neben der Guillotine, ihr rechtes Handgelenk in der Linken haltend. 


„Diese exotische Maschine habe ich mir vor drei Monaten auf einer Messe gekauft. Sie hat mich auf den ersten Blick in ihren Bann gezogen, ähnlich wie dich.“


„Habt ihr…“ hob Paula leise an, doch verstummte.


Tiziana grinste.


„Du fragst dich, ob die Guillotine schon mal benutzt wurde?“


Paula schluckte und nickte, ohne ihrer Herrin in die Augen zu blicken.


„Einmal. An dem Tag, an dem ich sie gekauft habe.“


Mit dem Finger fuhr sie über die hölzerne Lunette.


„Es war eine junge Sklavin, kaum älter als du…“


Sie stierte auf die Lunette, wirkte geistesabwesend. Einige Sekunden der Stille vergingen.

„Wie auch immer,“ fing sie sich, „seither habe ich sie nicht mehr benutzt. Also, sei so gut und mach hier alles sauber. Und vergiss nicht wieder zuzusperren, wenn du fertig bist.


„Ja, Domina.“


Damit schritt Tiziana wieder aus dem Zimmer und Paula war allein.

Sie nahm einen feuchten Lappen, stieg auf die Bascule und ging auf die Zehenspitzen, um die stählerne Klinge zu erreichen. Bevor sie mit dem Lappen darüberwischte, überkam sie das makabre Bedürfnis, den Stahl zu berühren. Mit dem Finger fuhr sie über die Seite der Klinge.

Ein Schauer durchzuckte sie. Ihr Atem blieb stehen. Für einen Augenblick war es ihr, als sähe sie vor ihrem inneren Auge, wie die scharfe Klinge auf den Nacken der Sklavin niederfuhr, von der Tiziana gesprochen hatte.

Sofort schreckte sie mit der Hand zurück und rang nach Atem.


„Bei allen Göttern“ dachte sie bei sich, „warum hat sie diese Maschine in ihrem Haus? Und was hat das arme Mädchen getan, um ihre Enthauptung verdient zu haben?“


Mit brennender Seifenlauge unter ihren Fingernägeln schrubbte sie den Rest des Zimmers, nahm das Putzzeug, stürmte aus dem unheimlichen Raum und verschloss die Tür.

Noch lange verfolgte Paula der Anblick der tödlichen Maschine. Nachts stellte sie sich vor, wie es sich anfühlen muss, wenn der eigene Nacken unter der Klinge liegt. Wie die letzten Augenblicke dieser Sklavin gewesen sein mussten, eingeschlossen in den Fesseln und der Lunette. Das Holz eng um den Hals, in dem Wissen, dass gleich der eigene Kopf rollt… Sie schloss das Mädchen, das sie nie gekannt hatte, in ihre Gebete ein. Es brachte sie um den Schlaf.

 

 *****

 

Paula stand auf der Veranda und goss die Blumen. Der Schatten war angenehm kühl. Einige Wassertropfen perlten von den Blättern ab und trafen die Sklavin an den Beinen, um dann erfrischend bis zu ihren Füßen herabzurinnen. Die Vögel, die sich gerne in dem großen Garten niederließen, schienen für die junge Sklavin zu singen. Zumindest stellte sie sich das gerne vor.

Schritte näherten sich. Paula wandte sich zur Tür und auf die Veranda trat Tiziana. Sofort stellte sie die Arbeit ein, senkte das Haupt und blickte ihrer Herrin abwechselnd ins Gesicht und auf die Füße.


„Sklavin!“


Paula zuckte zusammen. Hatte sie etwas vergessen? Hatte man sie gerufen? Hatte sie alles richtig gemacht? Was würde sie darum geben einfach wegfliegen zu können, wie einer dieser lieben Vögel.


„H… Herrin… Wie kann ich dienen?“ stammelte sie.


„Ich werde für einige Tage verreisen, vielleicht sogar einige Wochen. Ich möchte, dass du dich in meiner Abwesenheit um meine beiden Zimmer kümmerst.“


„Ja, Herrin.“


„Hier, das sind die Schlüssel. Pass gut darauf auf, und vergiss nicht, immer beide Türen abzuschließen.“



„Wie Ihr wünscht, Herrin.“


Damit ging sie wieder ins Haus.


Das Donnern in Paulas Brust ließ nach und wurde von einem Gefühl der Erleichterung abgelöst.

 

 


Eine Woche verging. Es war bereits spät, als sich Paula nach einem langen Tag in ihr Bett legen wollte. Auch heute hatte sie wieder Tizianas Gemächer geputzt. Viel war nicht zu tun, nur den Staub wischte sie weg. Da die Sklavin nicht wusste, wann ihre Herrin wieder eintraf, gab sie sich jedes Mal Mühe, die Zimmer anbietungswürdig zu hinterlassen.

Gerade stellte sie ihren rechten Fuß auf ihren Stuhl, um sich die kleine Schnalle an ihrer Sandale zu öffnen, da zog es ihr kalt durch den Bauch. Sie hatte die Tür zu Tizianas Zimmer nicht abgeschlossen.


Sie griff sich die Schlüssel und schritt durch die Villa. Es war dunkel, doch ein voller Mond schien durch die großen Fenster. Niemand war mehr wach. Wenige Augenblicke später stand sie vor Tizianas Schlafzimmer, steckte den Schlüssel sofort ins Schloss und öffnete die Tür.

Licht?

Bevor sich das Mädchen eines Besseren besinnen konnte, hatte es die Tür bereits geöffnet. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck. Ihr direkt gegenüber im Bett kniete Tiziana, nackt auf allen Vieren. Hinter ihr ein junger Mann. Er war blond, muskulös, mit kurzem Haar. Sein Körper sah aus, wie gemeißelt. Paula erkannte ich. Es war Vanessas Ehemann. Er hatte Tizianas Haar, das sie sich zu einem Zopf gebunden hatte, mit einer Hand gepackt und zog ihr damit den Kopf in den Nacken, während er sie mit seinem Phallus pfählte.


Paulas Blick traf den ihrer Herrin, die ihre gegenwärtige Demutshaltung sichtlich genoss. Es war nur eine halbe Sekunde, doch es fühlte sich an, wie eine Ewigkeit. Bevor die Sklavin irgendetwas tun oder sagen konnte, fühlte sie, wie sie kraftvoll von hinten an den Armen gegriffen und aus dem Schlafzimmer gerissen wurde. Die Tür fiel wieder zu. Elena packte sie am Hals, drückte sie gegen die Wand und zischte sie an: „Kein Wort!“  

Dann packte sie das junge Mädchen am Nacken und brachte sie mit rasendem Schritt in ihr kleines Zimmer. Paula ließ sich ohne Widerstand führen. Sie zitterte am ganzen Körper, als Elena sie in ihre Kammer warf. Während sie die Schlüssel hervorzog, murmelte sie leise, kaum hörbar:


„Das hättest du nicht sehen sollen…“


Heiße Tränen schossen ihr aus den braunen Augen, während Elena die Tür schloss und von außen absperrte. Sie sank vor ihrem Bett auf die Knie, faltete die Hände und betete, die Götter mögen sie erlösen.

 


Der Morgen brach an. Langsam erhob sich die rote Sonne über die Berge am Horizont. Die Wolken am Himmel leuchteten feurig.

Paula sah durch ihr kleines Fenster. Sie konnte die Schönheit keinen Augenblick genießen. Was würde sie mit ihr tun? Sie wusste doch, dass es ein Versehen war. Sie wusste doch, dass sie nicht hääte ahnen können, dass Tiziana schon zurück war. Warum hatte ihr es niemand gesagt? Sie hielt das Warten nicht mehr aus. Wenn sie doch wenigstens Antworten hätte. Wenigstens Gewissheit über ihr Schicksal. Die Qual war unerträglich. Und was das Mädchen auch tat, sie konnte ihre Sorgen nicht loswerden.


Der Schlüssel kratzte im Schloss. Tizianas Leibsklavinnen Elena und Mara traten ein.

Wortlos griffen sie das Mädchen und schleiften es in Tizianas Privatgemach. In der Tür setzte Paulas Herz einen Schlag aus. Sie griff sich an ihren Anhänger. Die Bascule der Guillotine war vertikal aufgerichtet, die vier Fesseln geöffnet. Vor der Guillotine lag ein burgunderrotes Kissen. In dem Sessel gegenüber saß Tiziana mit überschlagenen Beinen.


Mara und Elena führten Paula vor ihre Herrin. Die Sklavin warf sich vor ihr sofort auf die Knie. Ihr Atem ging stoßweise während ihr das Herz bis zum Halse schlug.


Tiziana lächelte und sprach:


„Meine Liebe, gestern Nacht hast du deine Nase in Angelegenheiten gesteckt, die dich nichts angingen. Ich hoffe du verstehst, dass ich an dieser Stelle sichergehen muss, dass dieses kleine Geheimnis unter uns bleibt.


„Herrin, vergebt mir. Bitte vergebt mir. Ich wusste nicht, dass Ihr schon zurück wart! Ich werde es niemandem erzählen. Niemand wird etwas erfahren. Ich schwöre es bei meinem Leben!“


„Ich glaube dir. Du bist ein ehrliches Mädchen. Dennoch, ein Risiko, das ich nicht eingehen kann.“


 „Bitte verzeiht mir! Ich habe einen Fehler gemacht! Ich hätte nicht reinkommen dürfen. Bestraft mich, wenn Ihr müsst! Nehmt mir die Zunge, wenn Ihr müsst! Doch bitte, bitte lasst mich leben!“


Tiziana genoss es, dieses kleine Leben in den Händen zu halten. Wie sich das Mädchen daran klammerte. Ihre Nippel fingen an durch ihr dünnes Kleid hindurchzustechen. Sie lehnte sich nach vorne und fuhr mit ihren Fingern den Hals des Mädchens herauf bis unters Kinn.


„Das Einzige, was ich dir gewähren kann, Sklavin, ist ein schneller Tod…“


Damit warf sie Elena einen Blick zu und machte eine leichte Kopfbewegung Kopfbewegung. Die beiden Dienerinnen griffen Paula und führten sie zur Bascule. Das zarte Mädchen ließ sich widerstandslos an die Bank fesseln. Sie war wie gelähmt. Das harte Holz drückte an ihre jungen Brüste. Der Blick der Sklavin hing ununterbrochen an der kalten Klinge. Sie war noch genauso blankpoliert, wie sie sie das letzte Mal hinterlassen hatte.


Ihr Haar war in einer lieblichen Frisur hochgesteckt, nur ihr ledernes Band mit dem Anhänger war noch um ihren Hals. Mara schob den weichen Riemen so tief herunter, wie sie konnte. Dann senkten die beiden Dienerinnen die Bascule und schlossen die Lunette. Mara trat an ihre Seite und legte den Hand an den Hebel. Paula fühlte die Kälte über ihrem weichen Nacken. Ein seltsames Kitzeln ging durch ihren Unterleib, während sie ihren Herzschlag in ihrem Hals gegen das Holz der Lunette donnern fühlte. 


Sie blickte auf. Es war anstrengend, den Kopf so weit in den Nacken zu nehmen, dass sie Tiziana, die noch immer lässig vor ihr saß, in die Augen blicken konnte.

Die junge Aristokratin sah sie mit leicht geöffnetem Mund an und ließ ihre Finger über ihren eigenen Hals gleiten. Ihrem Blick haftete etwas ekstatisches, rauschhaftes an.


Paulas tränengefüllte Augen schrien das Wort, das nur leise flüsternd über ihre Lippen kam: „Gnade…“


Nur ein einziges Wort aus Tizianas Mund, eine kleine Handgeste, und das Leben des Mädchens wäre gerettet. Ihr junges Herz würde weiterschlagen und noch für viele Jahre die Freuden und Leiden des Daseins in dieser Welt erfahren. Einen Augenblick schien sie nachzudenken. Ihre Augenbrauen hoben sich leicht. Doch ihr nachdenklicher Gesichtsausdruck wurde von einem durchtriebenen Grinsen fortgespült.


„Lass ihren Kopf rollen!“


Paula senkte ihren Blick, weg von Tiziana, die ihr die Gnade in diesem Leben verwehrte, nieder auf das rote Kissen. Sie streckte den Hals. Kalter Schweiß rann ihren blanken Nacken herab.


„Ihr Götter, vergebt mir…“ hauchte sie.


Der Mechanismus machte ein Klickgeräusch. Die Klinge raste die Schienen nieder und glitt gnadenlos durch Paulas Hals. Das Mädchen wurde sofort geköpft, während ein kräftiger Ruck durch ihren enthaupteten Körper ging. Ihre Beine versuchten, nach oben auszuschlagen, wurden jedoch von den Fesseln festgehalten. Gleichzeitig spreizten sich ihre Finger und Zehen, um im nächsten Moment regungslos dazuliegen.

Die Sklavin war sofort tot. Sie sah nicht einmal ihren eigenen Kopf fallen. Der kalte Stahl hatte ihr Leben im Hauch einer Sekunde beendet.

Aus ihrem offenen Hals spritzte ein warmer roter Strahl hervor. Das Haupt des Mädchens rollte bis vor Tizianas Füße.  Die Aristokratin spürte, wie von ihrem Unterleib ein herrlicher Orgasmus ihre Wirbelsäule hinauf bis in ihren Nacken und Hinterkopf flutete. Sie wand sich in ihrer Ekstase auf ihrem Sessel, während das arme junge Blut leise über den Boden rann.